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Verfasst am: Mon Dec 28, 2009 4:03 pm Titel: Ehre ohne Glanz |
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Ehre ohne Glanz
Gediegenes Weihnachtsoratorium mit den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben im Beethovensaal
Von Sebastian Quint
Stuttgart - Am zweiten Weihnachtsfeiertag gehört der Beethovensaal den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Alljährlich steht da die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium auf der Agenda. Und doch lag über dieser liebgewordenen Tradition dieses Mal der Hauch eines Abschieds, denn der langjährige Leiter des „Hymnus“, Hanns-Friedrich Kunz, wird im April die Geschicke des Chores in die Hand seines Nachfolgers Rainer Johannes Homburg legen. Der wird wie sein Vorgänger neben der musikalischen Führung zugleich eine Erzieherfunktion haben, denn die junge Schar solcher Interpreten verlangt andere Einflussnahmen. Da ist etwa, wenn der Chor pausiert, der geordnete Rückzug in die Sitzposition zu planen, und da dürfte beispielsweise in der Nachbesprechung der aktuellen Weihnachtsoratoriums-Aufführung anzusprechen sein, dass es keinen guten Eindruck macht, wenn man beim Singen die Hände in den Hosentaschen behält.
Tradition birgt immer auch die Gefahr, zur Routine zu verflachen. Davon war diese Aufführung weit entfernt. Und doch fehlte hier ein Stück weit das wünschenswerte Maß an Spontaneität. Der Chor hatte seinen Part gut geprobt und erreichte im Hinblick auf Durchhörbarkeit und Konturierung der Stimmlinien in aller Regel eine ausreichend aufgefächerte Transparenz. Doch die gestalterischen Feinheiten im Sinne einer ausgeprägten Deklamationsweise oder einer artikulatorischen Rasterung gerieten, wo sie eingeplant waren, oft ein wenig unfrei und eckig. Und doch wusste Hanns-Friedrich Kunz einer allzu stereotypen Mechanik beispielsweise in dem Chorsatz „Ehre sei dir, Gott, gesungen” (Teil 5) mit seiner durchdachten Phrasierung gekonnt zu entgehen. Zum Eindruck einer alles in allem recht unspektakulären Gediegenheit trugen auch die Vokalsolisten und das Orchester (Ensemble musica viva Stuttgart) bei. Letzterem mangelte es ein wenig an innerer Gespanntheit der klanglichen Bewegung, da hätte man sich manches, etwa die Sinfonia zum 2. Teil, weniger weich und rundgeschliffen gewünscht. Und dazu gehört auch, dass das Violinsolo zur Alt-Arie „Schließe, mein Herze” im dritten Teil von der Konzertmeisterin Sabine Kraut gleichsam ohne Punkt und Komma auf einen einzigen Legato-Bogen genommen wurde. Unter den Vokalsolisten überzeugte die Altistin Annekathrin Laabs mit warmem Timbre und einer differenzierungsfähigen Ausdruckszeichnung. Thomas Scharr (Bass) wendete seinen sensiblen Umgang mit der stimmlichen Kraft mitunter in eine übergroße Zurückhaltung, Fanie Antonelou (Sopran), die für die erkrankte Sybilla Rubens eingesprungen war, bewies stimmtechnisch einen klaren Duktus, neigte aber bisweilen zur Härte. Und der stimmlich hochästhetisch singende Tenor Julius Pfeifer unterschied seinen gestalterisch durchaus engagierten Zugang in den Arien von einer unverständlicherweise allzu betulich verstandenen Rolle des Evangelisten.
Artikel vom 28.12.2009 © Eßlinger Zeitung
http://www.ez-online.de/lokal/kultur/schaufenster/Artikel504738.cfm |
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