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Bewegendes Ade auf leichte, lebendige Art

 
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BeitragVerfasst am: Wed Mar 24, 2010 9:12 pm    Titel: Bewegendes Ade auf leichte, lebendige Art Antworten mit Zitat

Bewegendes Ade auf leichte, lebendige Art

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 23.03.2010

Konzert Der Stuttgarter Hymnus-Chor verabschiedet seinen Leiter Hanns-Friedrich Kunz mit der Johannes-Passion.

Von Markus Dippold

Ein Abschiedskonzert hatte er sich eigentlich nicht gewünscht. Und doch galt zum Schluss ein Großteil des begeisterten und lang anhaltenden Beifalls vor allem ihm: Hanns-Friedrich Kunz dirigierte an diesem Sonntag sein letztes Konzert mit dem Stuttgarter Hymnus-Chor. Nach achtzehn Jahren als künstlerischer Leiter des traditionsreichen Knabenchors geht Kunz zum Ende dieses Monats in den Ruhestand. Und zum Abschied musizierte er noch einmal ein Standardstück aller Knabenchöre, Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion.

Schon nach wenigen Takten des großen Eingangschors stellt sich in der ausverkauften Stiftskirche jenes Faszinosum ein, das oft bei sehr guten Knabenchören zu erleben ist. Deren von Haus aus unbefangener Zugang zu dieser alten, in ihrem sprachlich ungewöhnlichen Text eher sperrigen Musik verleiht dieser Passion eine fast schon leichte, lebendige Art, die durch das klare, unverstellte Klangbild der jugendlichen Stimmen noch verstärkt wird. Dass all dies nicht ins Triviale abkippt, verhindert Hanns-Friedrich Kunz durch eine straffe Dramaturgie, indem er oft schnelle Tempi wählt und so die Turba-Chöre, die Ekstase des Volks, das Poltern der Hohepriester oder auch die Angst der Jünger zuspitzt.

Die mehr als einhundert Knaben und jungen Männer lassen sich vorbildlich auf diese Interpretation ein, steuern präzise durch die polyphon vertrackten Chorfugen und zeigen immer wieder ihr sehr differenziertes Ausdrucksvermögen. Trotz des zügigen Tempos auch in den reflektierenden Chorälen findet hier ein kleines Innehalten statt, wenn Kunz die Dynamik zügelt, seine Sänger zu schlichtem Tonfall anhält und so auch beim Zuhörer das innere Nachvollziehen und die Eigenbeteiligung am Passionsgeschehen möglich macht.

Nach achtzehn - wie er selbst sagt - erfolgreichen Jahren verlässt Kunz den Hymnus-Chor und übergibt seinem Nachfolger ein geordnetes Feld. Generationen von jungen Sängern hat Kunz an die großen Musikwerke herangeführt und den Hymnus nach früheren turbulenten Jahren zu einem geachteten Ensemble gemacht. Dass der Übergang harmonisch verläuft, betont Kunz; in der Vergangenheit habe es da ganz andere, teilweise wesentlich unerfreulichere Wechsel gegeben. Schon im nächsten Monat wird der 1966 geborene Kirchenmusiker Rainer Johannes Homburg die Leitung des Knabenchors übernehmen.

In Köln und Detmold hat Homburg Kirchenmusik und Dirigieren studiert und ist seit 1992 Kantor an der Marienkirche in Lemgo in Nordrhein-Westfalen. Neben der Verantwortung als Chorleiter und Organist hat er dort Konzertreihen veranstaltet und ist als kirchenmusikalischer Fachberater für die Lippische Landeskirche tätig. In den vergangenen Jahren hat er auch mit CD-Einspielungen seltener Stücke aufhorchen lassen, was auch dem Hymnus-Chor in Sachen Repertoire-Erweiterung zugute kommen könnte - wobei selbst Standardstücke wie die "Johannes-Passion" in einem solchen Chor bekanntlich jedes Mal neu einstudiert werden müssen.

Souveräner Instrumentalpartner für den Hymnus-Chor war an diesem Abend wieder einmal das Ensemble "Musica Viva Stuttgart" mit seiner Konzertmeisterin Sabine Kraut. Etwas uneinheitlich fiel die Leistung der fünf Gesangssolisten aus. Reginaldo Pinheiro war ein schlank singender, nicht immer klar artikulierender Evangelist. Blass blieb der Jesus des Thomas Scharr mit wenig Ausdruckskraft und dünner Tiefe. Ähnliches galt für den zweiten Bass Ulrich Wand, der vor allem in der schnellen "Eilt"-Arie hörbar an technische Grenzen stieß. Überzeugender waren da die Altistin Anne Greiling und vor allem die junge Sopranistin Fanie Antonelou. Mit leichter und klarer Tongebung und Ausdruckstiefe gestaltete sie ihre beiden Arien durchgängig eindrucksvoll.
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