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Verfasst am: Tue Apr 06, 2010 9:05 pm Titel: Bachs Matthäuspassion am Karfreitag in der Stiftskirche |
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Artikel Stuttgarter Nacrichten 06.04.2010
Bewusst ohne Beifall
Bachs Matthäuspassion am Karfreitag in der Stiftskirche
Von Wolfgang Teubner
Auf die Minute genau drei Stunden dauerte die tief lotende, ungekürzte Aufführung der Bach"schen Matthäuspassion in der absolut voll besetzten Stiftskirche, die als Sonderkonzert der freitäglichen Stunde der Kirchenmusik angeboten war. Kay Johannsen machte deutlich, dass es ihm nicht um ein Jagen nach Höhepunkten ging, sondern dass er auch hinter der mächtigsten Emotion und Dramatik doch immer die ruhende Grundlage des Ganzen suchte. Wer ihm da zu folgen bereit war, den führte diese Passion gedanklich über die Passionszeit hinaus.
Die prächtig vorbereitete und hier geteilte Stuttgarter Kantorei verband stimmlich-technisches Können mit der gewohnten Sicherheit im Musikalischen. Kraftvolle Weite in den großen Chören wechselte mit dramatischen Wutausbrüchen in den Volksszenen und schlichter Natürlichkeit in den Chorälen. Schlichte Klarheit auch in den beiden von den Hymnus- Chorknaben gesungenen Cantus-firmus-Stellen. Der Evangelist Andreas Karasiak blieb als Erzähler innerlich nicht unbeteiligt. Sein sich vielseitig färbender, immer reich verschenkender Tenor war auch in den Arien ein sicher geführter, geschmackvoller Mittler.
LinLin Fan und Annelie Sophie Müller sangen die Sopran- beziehungsweise Altarien mit beseelten, leuchtenden Stimmen. Der noch junge Bassist Kresimir Strazanac war für die Pilatus-Partie und für die Arien eine Idealbesetzung. Nicht ganz so glücklich war man mit Krzysztof Borysiewicz für die Christusworte, er war jedoch sehr kurzfristig eingesprungen. Mit dem nötigen Zugriff musizierte die geteilte Stiftsphilharmonie auf Barockinstrumenten. Geschmack und Dezenz zeichneten die Instrumentalisten aus, im Tutti wie in den mit umsichtiger Sorgfalt gestalteten Soli. Kay Johannsen, immer wechselnd zwischen Dirigent und Cembalist, hat mit dieser Aufführung Maßstäbliches geleistet. Zum Schluss läuteten die Glocken, auf Beifall hatte man bewusst verzichtet.
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